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PostHeaderIcon Einmal um die Welt mit der ganzen Familie - Hongkong

Im Auge des Taifuns

Wenn Engel reisen, so heißt es, lacht der Himmel. Wenn wir mit unseren Kindern reisen ist das nicht so. Nachdem wir im vorigen Jahr schon den Jahrhundert-Schneesturm in New York miterleben durften, hat das Wetter in Hongkong wieder eine tolle Überraschung für uns parat. Es steuert gerade der Taifun “Pabuk” auf Chinas Südostküste zu. Am Tag unserer Ankunft werden - was wir wieder einmal nicht wußten - alle Schulen geschlossen und das Warnsignal 8 ausgegeben, die vorvorletzte Stufe. Was wir von dem Taifun noch erleben, ist weniger ein Sturm als vielmehr Unmengen von Regen, die vom Himmel fallen. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel macht sich eine eigenartige Stimmung breit. Da sitzen wir nun mit unseren beiden zwei und vier Jahre alten Kindern in einem Bus am anderen Ende der Welt und sehen durch den strömenden Regen die dießige chinesische Hügellandschaft an uns vorüberziehen. Wir passieren einen verdreckten Industriehafen mit rostigen Stahlschiffen und machen zwischendurch Halt beim Hotel von Hongkongs Disneyland. Wie in einem surrealen Traum.

Muß das sein?

imfliegerSo oder so ähnlich war die Reaktion bei Großeltern, Verwandten und Bekannten auf unser Vorhaben “Weltreise mit Kindern”. Dabei hatten wir alles perfekt ausgeklügelt. So dachten wir jedenfalls. Ursprünglich wollten wir nach Kanada. Bei der Suche nach einem Flug stellten wir dann fest, daß Richtung Westen meist tagsüber geflogen wird. Rund neun Stunden mit wachen Kindern? Nicht mit uns dachten wir und schauten uns nach Flügen gen Osten um. Und um nie Richtung Westen fliegen zu müssen, buchten wir - genau - eine Rundreise um die ganze Welt. Die Stops waren auch schnell ausgewählt. Nicht zu viele durften es sein. Schließlich brauchen wir bei einer Gesamtreisezeit von zwei Monaten jeweils genug Zeit, um uns zu akklimatisieren. Möglichst unbedenklich hinsichtlich möglicher Krankheiten sollten die Länder auch sein. Also entschieden wir uns für Hongkong, Neuseeland, die Cook Inseln und die Westküste der USA.

Was kann man mit Kindern in Hongkong machen?

vogelmarktWer sich über Aktivitäten mit Kindern in Hongkong informiert, stößt meist zuallererst auf die beiden Vergnügungsparks Disneyland und Ocean Park.  Disneyland ist jedem ein Begriff. Im 1977 eröffneten Ocean Park sind die einzelnen Parkteile durch Seilbahnen und Rolltreppen miteinander verbunden. Von Spielplätzen über Tiergehege inklusive Delfinarium zu Achterbahn und Bootsfahrten ist für jedes Alter etwas dabei. Wer es etwas ruhiger mag, kann den vergleichsweise unspektakulären Zoo mit Botanischem Garten besuchen. Tolle Aussichtspunkte mit Blick über Hongkong bieten der Peak Tower sowie das Central Plaza, der höchste Wolkenkratzer der Stadt. Bei einer Fahrt mit der Fähre zwischen Hongkong Island und dem Stadtteil Kowloon oder zu einer vorgelagerten Inseln, z.B. Macau oder Lantau lernt man auch andere Teile Hongkongs kennen, die nichts mit der westlichen Glitzerfassade von Hongkong Island zu tun haben. Eine Attraktion für Erwachsene und Kinder ist der zweimal wöchentlich veranstaltete Vogelmarkt. Um die Piepmätze kümmern sich vornehmlich ältere Herren. Sogar zum Nachmittags-Plausch im Park nehmen sie ihre Käfige mit, die dann neben der Herrenrunde an den Bäumen baumeln.

Zeit und Klima

hkskylinebootDie Zeitumstellung dauert bei den Kindern diesmal doch recht lange. In der ersten Nacht können sie lange nicht einschlafen, weshalb wir die halbe Nacht bei strömenden Regen auf Hongkongs Straßen zubringen. Die einzige Möglichkeit auch nur irgendetwas zu tun ist, in einem der rund um die Uhr geöffneten 7-Eleven-Läden einzukaufen. In den nächsten Tagen ist er unvorstellbar schwül. Regen oder eine bleibende hohe Luftfeuchtigkeit bei über dreißig Grad ist kaum auszuhalten. So spannend die Stadt auch ist, vor allem in ihren “chinesischeren” Teilen wie Kowloon, wir freuen uns doch sehr auf unsere Weiterreise nach Neuseeland. Was wohl dort für ein Wetterchen auf uns wartet?

PostHeaderIcon Mit zwei kleinen Kindern in New York

Stürmischer Empfang

chinatown6Es ist unser erster Morgen in New York. Von unserem Apartment im siebten Stock in der Upper West Side blicke ich zum Fenster hinaus. Alles ist weiß. Es schneit heftig. Im gegenüberliegenden Park tanzt und klatscht eine kräftige, kleine schwarze Frau. Sie ist ganz allein, weit und breit ist sonst kein Mensch zu sehen. Sie dreht sich mehrmals um sich selbst und reißt immer wieder die Arme hoch als beschwöre sie den Himmel. Ihre Bewegungen erinnern an eine Gospel-Sängerin in der Kirche. Noch weiß ich nicht, dass da draußen der ärgste Schneesturm tobt, den New York in den letzten rund hundert Jahren erlebt hat. Robert ist gerade losgestapft, um unseren Leihwagen abzuholen. Unsere erste Reise mit unseren ersten beiden Kindern, zweieinhalb Jahre und sechs Monate alt, führt uns in die Metropole New York. Robert hat hier für 10 Tage geschäftlich zu tun und die ganze Familie ist mit dabei. Wir waren vor den Kindern beide schon in New York und wissen in etwa, was uns erwartet. Wie es aber genau mit den Kindern wird, wissen wir natürlich nicht.

Stadterkundung mit vielen Pausen

nystrasse1Der Flug hat erstaunlich gut geklappt. Die beiden Kinder schlafen viel und wenn unsere sechs Monate alte Tochter schreit habe ich immer noch die Möglichkeit zu stillen. Das bringt meistens Ruhe. In New York angekommen muss Robert tagsüber arbeiten und meine Schwester, die noch für alle Fälle dabei ist, die Kinder und ich erkunden jeden Tag einen anderen Stadtteil. Auch die Zeitumstellung geht relativ reibungslos. Das Baby Emilia schläft sowieso fast nur, da haben wir wohl Glück. Moritz, unser Großer, steht die ersten Tage schon um vier oder fünf Uhr auf, dann hat auch er sich an die neue Zeit gewöhnt. Bei unseren Ausflügen schieben wir die Kinder in kleinen leichten Buggies vor uns her und planen regelmäßig Pausen in Restaurants und Cafes ein. Mittags gehen wir in unser Apartment zurück, kochen eine Kleinigkeit und ruhen uns alle aus. Mit Kindern schafft man nicht so viel wie ohne, ein straffer Sightseeing-Plan ist nicht drin. Dennoch sehen und erleben wir einiges. Ganz oft werden wir auf die Kinder angesprochen und kommen so viel mit Leuten ins Gespräch. Durch die vielen Wickel-, Ess- und Trinkpausen erleben wir die Stadt anders und entspannter als wenn wir von einer Sehenswürdigkeit zur anderen hetzen würden.

New York für Kinder

timessquare3Riesige Wolkenkratzer, rauchende Gullys, die gelben Taxen, die vielen Menschen verschiedener Herkunft, die laut ratternde U-Bahn, das alles ist für Kinder schon Attraktion genug und reicht, um die Sinne der Kinder zu beschäftigen. Sommer wie Winter kann man viel Zeit im Central Park verbringen. Dort gibt es auch einen kleinen Zoo. Das Children’s Museum in der Upper West Side bietet wechselnde Ausstellungen und Workshops für jedes Alter.  Auch der Ausblick vom Empire State Building oder eine Fahrt mit der Fähre nach Staten Island begeistert kleine wie große Kinder. Viele Restaurants und Cafes sind kinderfreundlich und servieren Extra-Speisen für die Kleinen. Was allerdings in New York gar nicht geht ist Metro fahren mit Kinderwagen oder Buggy. Es gibt nur ein paar Haltestellen mit Aufzügen zwischen Bahngleis und Oberfläche. Über die Schranken muss man den Wagen drüberheben, was nur mit muskulöser Begleitung möglich ist. 

Mitten im Schneechaos

schneemann2Das absolute Highlight unserer New York-Reise haben wir allerdings dem Wetter zu verdanken. Robert holt trotz starker Schneefälle unseren Mietwagen ab. Auf dem Weg zur Mietstation geht ihm der Schnee bis zu den Knien. Unseren Großen hat er auch dabei, er muss ihn tragen. Wir haben alle noch keine Ahnung, dass den New Yorkern über die Medien bereits empfohlen wurde, ihr Zuhause nicht zu verlassen und vor allem nicht mit dem Auto zu fahren. Wir lassen uns also von den Schneemassen nicht beirren. Offenbar hat es nachts stark gestürmt. Jetzt schneit es gerade nur ziemlich. Schließlich kommen wir aus Bayern. Dort wäre das alles fast ein ganz normaler Wintertag. Doch nicht in New York. In dem Einkaufszentrum etwas außerhalb, in dem wir uns mit Lebensmitteln eindecken wollen, sind wir die einzigen Kunden. Endlich erfahren wir von den Angestellten dort vom Ausmaß des Unwetters. In New York fahren kaum Autos, die Flughäfen sind gesperrt. Im Central Park wird bald die mit 68 Zentimetern höchste Schneehöhe seit 1947 gemessen. Wir fahren nach Manhattan zurück und haben die sonst verstopften Straßen nahezu für uns alleine. Wir fahren noch ein paar Straßen ab, um dem weißen Treiben zuzusehen. Der Schneefall hat jetzt nachgelassen. Einige New Yorker durchqueren die Stadt auf Skiern, Kinder sind mit Schlitten und Bobs unterwegs. Feuerwehr- und Räumfahrzeuge versuchen dem Chaos wieder Herr zu werden. Wir parken mitten in Viertel SoHo direkt vor dem Cafe, in dem wird zu Abend essen wollen. Vorher machen wir mit den Kindern vor dem Lokal noch Fotos mit einem der vielen Schneemänner, die heute an jeder Ecke der Stadt stehen. Wenn ich unseren heute fünf Jahre alten Sohn frage, ob er sich noch an New York erinnert, sagt er: ” Ja, da war so ein Schneemann …”.
Weitere Adressen und Literatur zum Thema New York mit Kindern